Kirchen-News

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Sonntag Sachsen News
Aktualisiert: vor 5 Stunden 29 min

Geithainer Kirchturm erhält Strickhaube

vor 6 Stunden 45 min

In Geithain wurde am vergangenen Wochenende in einer spektakulären Kranaktion dem Turm der Geithainer Kirche eine Mütze übergestülpt. Mit dabei im Kranführerhaus Pfarrer Helbig. Mehr zu Aktion und darüber, was der Sinn des Ganzen ist, erfahren Sie im neuen SONNTAG – ab morgen im E-Paper und ab Donnerstag in Ihrem Briefkasten.

Kirchgemeinde Markkleeberg-West erhält Bürgerpreis

vor 8 Stunden 53 min

Zum siebenten Mal ist am Montagabend der Sächsische Bürgerpreis verliehen worden. Gemeinsam mit der Stiftung Frauenkirche Dresden und der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank würdigt der Freistaat Vereine, Initiativen, Institutionen oder Einzelpersonen für ihren herausragenden Einsatz für die Gesellschaft, für Toleranz und für Demokratie.

In der Kategorie kulturell-geistliches Engagement wurde die Kirchgemeinde Markkleeberg West geehrt für ihr Projekt »Kirchenruine Zöbigker«. Seit 2006 entwickelt die Kirchgemeinde aus der Kirchenruine Zöbigker einen kulturell-geistlichen Ort. Es finden Freiluftveranstaltungen statt; seit diesem Jahr gibt es eine »Fahrradkirche«. Es ist eine Begegnungsstätte für Markkleeberger, Gäste und Touristen entstanden. Neben historischen und kulturellen Inhalten sollen auch christliche Werte vermittelt werden.

Ministerpräsident Tillich betonte bei der Preisverleihung: »Mehr als einhundert Einzelpersonen, Projekte und Initiativen sind in diesem Jahr nominiert worden. Sie stehen wie die fünf Preisträger für rund eine Million Menschen in ganz Sachsen, die sich Tag für Tag ehrenamtlich engagieren. Sie stehen damit für die große Mehrheit in unserem Land, denen das Miteinander und der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft wichtig ist. Dieses bürgerschaftliche Engagement hatte und hat für unser Land einen unschätzbaren Wert. Es ist auch ein guter Grund, weiterhin sehr zuversichtlich und optimistisch zu sein.«

Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt unterstrich die Bedeutung gemeinnützigen Wirkens: »In Zeiten, in denen die Gesellschaft aus vielen Gründen vor großen Herausforderungen steht, sind alle Nominierten und insbesondere die Gewinner des Sächsischen Bürgerpreises Leuchttürme. Unübersehbar und verlässlich senden sie Signale für ein Miteinander aus, das auf Mitwirkung und Wertschätzung beruht. Es ist wichtig, diese gesellschaftlichen Impulsgeber selbst ins Licht zu rücken. Gern tun wir das in der Frauenkirche, einem Ort, der durch bürgerschaftliches Engagement wieder entstehen konnte und seit nunmehr 12 Jahren nicht zuletzt dank vielfältiger ehrenamtlicher Unterstützung die Botschaft von Frieden und Versöhnung vermittelt.«

Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz will sparen

vor 9 Stunden 24 min

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erwartet bis 2025 einen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um 25 Prozent. Bei der künftigen Haushaltsplanung müssten deshalb Einsparungen vorgenommen und langfristige Schwerpunkte gesetzt werden, heißt es im Abschlussbericht der kirchlichen Strukturkommission, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt und mit dem sich die Landessynode bei ihrer Herbsttagung vom 25. bis 28. Oktober befasst.

Wegen der guten Wirtschaftslage verzeichnet die Landeskirche derzeit vorerst weiter steigende Steuereinnahmen. Im laufenden Jahr würden rund 241 Millionen Euro Kirchensteuern in Berlin und Brandenburg erwartet, eingeplant waren 225 Millionen Euro. Von den Mehreinnahmen stünden nach Abzug verschiedener Verpflichtungen im rund 389 Millionen Euro umfassenden Nachtragshaushalt für 2017 knapp zehn Millionen Euro tatsächlich zur Verfügung. Die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder ist in der Region inzwischen auf rund 980 000 gesunken, vor 15 Jahren waren es noch gut 1,3 Millionen.

Für die Schließung der bereits bestehenden Deckungslücke von rund 470 Millionen Euro bei der Versorgung pensionierter Pfarrer und Kirchenbeamter müsse künftig voraussichtlich ein immer größerer Teil der Kirchensteuern aufgewendet werden, heißt es weiter. Hintergrund der Deckungslücke sind unter anderem Pensionszahlungen an ehemalige Pfarrer aus der DDR, die seinerzeit nicht bei der Planung berücksichtigt wurden.

Die künftige Finanzplanung soll sich an fünf verschiedenen Handlungsbereichen orientieren. Ziel sei, die kommende »Spardiskussion am Auftrag der Kirche auszurichten«, heißt es weiter im Abschlussbericht der Strukturkommission. Den einzelnen Handlungsbereichen sollen Haushaltsmittel zugeordnet werden. »Die Strukturkommission schlägt vor, alle Handlungsbereiche in gleicher Weise im Verhältnis zur Kirchensteuerentwicklung proportional zu reduzieren«, heißt es weiter. Nur für den Bereich Öffentlichkeit und Digitalisierung werden keine Einsparungen empfohlen.

Einem weiteren Bereich sind die Themen Verkündigung, Gemeinde, Seelsorge und Diakonie zugeordnet, einem anderen die Themen Bildung und Ausbildung, in einem eigenen Bereich werden unter anderem Verwaltung, Immobilen und kirchliche Dienste zusammengefasst. Ein weiterer Handlungsbereich ist der Weltverantwortung unter anderem mit Ökumene-, Friedens- und Umweltfragen gewidmet.

Zur Abfederung künftiger Einsparungen werden zudem ein drei Millionen Euro umfassender Strukturanpassungsfonds und ein Projektfonds vorgeschlagen, der jährlich weitere drei Millionen Euro vergeben kann.

Star-Geiger wird künstlerischer Leiter der Frauenkirche

13. Oktober 2017 - 12:01

Der Stargeiger Daniel Hope wird Künstlerischer Leiter der Dresdner Frauenkirche. Ab 2019 werde er für fünf Jahre eine eigene Konzertreihe gestalten, sagte Hope dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der in Südafrika aufgewachsene Violinist mit deutsch-jüdischen und irischen Wurzeln übernimmt damit als erster Musiker die neu geschaffene Position des Künstlerischen Leiters an der Frauenkirche in Dresden. Erst am vergangenen Dienstag war der Wahlberliner mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden.

An der Frauenkirche seien ab 2019 unter seiner Leitung 20 bis 25 Konzerte jährlich geplant, kündigte Hope an. Der 44-Jährige will dazu mit renommierten internationalen und regionalen Ensembles zusammenarbeiten. Geplant seien nicht nur Konzerte unter der Hauptkuppel der traditionsreichen Barockkirche, sondern auch die Unterkirche solle verstärkt bespielt werden, kündigte der Musiker an. Neben Hope sind zudem weiterhin Frauenkirchenkantor Matthias Grünert sowie der Dirigent und Trompeter Ludwig Güttler für die Koordination des gesamten Konzertprogramms der Frauenkirche zuständig.

»Es ist mir eine Ehre, die Frauenkirche als Artistic Director musikalisch unterstützen zu dürfen«, erklärte Hope. Die Frauenkirche sei »ein Ort, der den Erhalt der Kultur sowie der Verständigung der Kulturen wie kaum ein anderer widerspiegelt.«

Güttler nannte es einen »Glücksfall der besonderen Art«, dass die Stiftung Frauenkirche Hope für die künstlerische Leitung des Gotteshauses gewinnen konnte. Die kaufmännische Leiterin der Stiftung, Christine Kageneck, würdigte Hope als herausragenden Künstler, »dessen Vita in fast verblüffender Weise mit der Botschaft der Frauenkirche korrespondiert«.

Daniel Hope wurde 1973 in Südafrika geboren. Seine Familie emigrierte nach Paris, um sich von der Apartheid-Politik zu distanzieren und ging später nach London. Bereits als 11-Jähriger wurde Hope am Royal College of Music aufgenommen und studierte anschließend an der Royal Academy of Music in London. Seit rund 25 Jahren ist der Musiker als Solist auf internationalen Bühnen zu sehen.

Der Geiger gilt zudem als musikalischer Brückenbauer. »Musizieren gegen das Vergessen« ist eines seiner Anliegen. So widmete er sich Musik, die im Konzentrationslager Theresienstadt geschrieben wurde, gab im ehemaligen Flughafen Berlin Tempelhof sowie vor dem Brandenburger Tor Gedenkkonzerte für die Opfer des Holocaust und engagierte sich seiner Kampagne »Tu was!« gegen Rassismus.

Leichterer Quereinstieg ins Pfarramt gefordert

12. Oktober 2017 - 16:01

Die Evangelisch-Theologischen Fakultäten wollen einen Quereinstieg in den Pfarrberuf bundesweit ermöglichen. Auf der diesjährigen Plenarversammlung in Wittenberg berieten die Delegierten unter anderem über eine Rahmenordung für einen berufsbegleitenden Studiengang, wie Bernd Schröder vom Vorstand des Evangelisch-Theologischen Fakultätentages am Donnerstag in der Lutherstadt mitteilte. Das Thema sei bislang sehr strittig diskutiert worden, aber man sei zuversichtlich, dass die Papiere im kommenden Jahr den Weg durch alle Gremien fänden.

Es gebe eine Nachfrage nach einem solchen Quereinstieg, hieß es. Die Studentenzahlen würden zwar insgesamt steigen, seien aber nicht ausreichend. Regional sind die Bedarfe nach Angaben der Evangelischen Kirche allerdings sehr unterschiedlich. Zudem werde in einem alternativen Weg zum Pfarramt auch eine Bereicherung gesehen. Jemand, der vorher beispielsweise Biologie studiert habe, könne noch einmal ganz anders mit Menschen ins Gespräch kommen. Derzeit gibt es unter anderem in Marburg einen berufsbegleitenden Theologie-Studiengang.

Ein weiteres Thema der Tagung war unter anderem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Der Evangelisch-Theologische Fakultätentag ist die hochschulpolitische Vertretung der 19 Evangelisch-Theologischen Fakultäten und Fachbereiche an deutschen Universitäten und der beiden kirchlichen Hochschulen.

An den Fakultätentag, der am Montag und Dienstag stattfand, schloss sich bis Donnerstag die internationale Konferenz »Glaube und Theologie. Reformatorische Grundeinsichten in der ökumenischen Diskussion« an, die vom Fakultätentag gemeinsam mit der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veranstaltet wurde.

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, hob hervor, dass Kirche und Theologie einander bräuchten und stets im Austausch miteinander seien. Es sei wichtig, diese Gespräche miteinander zu führen. Kritische Stimmen einzelner Theologen zum Reformationsjubiläum sehe er entspannt. Auch sie hätten mit theologischen Einsichten das Jubiläumsjahr zum Erfolg geführt.

»Wir müssen mit den Wählern reden«

11. Oktober 2017 - 18:02

Der Bundestagswahlausgang, der hohe Prozentsatz an AfD-Wählern in Sachsen sowie das neue Gesetz zur »Ehe für alle« beschäftigt die evangelische Landeskirche in Sachsen. Debattiert wird ebenso über die Diskriminierung eines homosexuellen Jugendwarts im Erzgebirge sowie über die kirchliche Strukturreform. Der Evangelische Pressedienst (epd) sprach in Dresden mit dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing, über die aktuellen Herausforderungen.

Wird sich nach der bundesweiten Einführung der »Ehe für alle« an der Praxis innerhalb der sächsischen Landeskirche etwas ändern?
Rentzing: Für eine öffentliche Segnung dieser Partnerschaften in einem Gottesdienst gilt die Regelung, dass Pfarrer, die es vor ihrem Gewissen verantworten können, diese Segnung auch praktizieren dürfen. Dazu gibt es eine kirchliche Handreichung.

Würden Sie selbst homosexuelle Paare in einem Gottesdienst segnen?
Rentzing: Ich habe immer gesagt, dass ich das nicht machen würde. Dabei bleibe ich auch weiter. Die neue Rechtslage ändert nichts in der theologischen Frage.

Gibt es denn konkrete Anfragen von gleichgeschlechtlichen Paaren in Sachsen, die sich in einem evangelisch-lutherischen Gottesdienst segnen lassen wollen?
Rentzing: Aktuell sind mir keine Anfragen bekannt. Die Landeskirche wird allerdings analog zur »Ehe für alle« ihre Regelungen für die eingetragenen Lebenspartnerschaften formal anpassen. Das wird auf Kirchenleitungsebene geklärt. Eine Zustimmung der Synode ist dafür nicht erforderlich.

Die sächsische Landeskirche ringt um eine Lösung für den Jugendwart Jens Ullrich, der im Kirchenbezirk Aue zum Teil mit Predigtverbot belegt wurde. Wie steht es derzeit um die Debatte?
Rentzing: Der Fall beschäftigt uns regelmäßig in der Kirchenleitung. Leider ist der Weg, den wir gerade eingegangen sind, schon wieder gefährdet. Ich ärgere mich darüber, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, während es doch viel mehr auf persönlicher Ebene geführt werden müsste. Wir wollen den Fall nicht verschweigen, aber er muss auf der richtigen Ebene diskutiert werden.

Wie schätzen Sie das Gespräch der Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) mit Jens Ullrich ein?
Rentzing: Für mich ist das politische Instrumentalisierung des Themas. Eine öffentliche Debatte gefährdet den Gesprächsprozess. Auch die Medien verhärten in diesem Zusammenhang die Fronten nur noch stärker. Das geht alles auf Kosten von Jens Ullrich und ist nicht zu verantworten. Ich hoffe, dass wieder etwas Ruhe eintritt und die Gespräche nicht von äußeren Vorgängen überlagert werden.

Worin sehen Sie Ihre Rolle im Konflikt zwischen Ullrich und den Gemeinden?
Rentzing: Die Beteiligten vor Ort fühlen sich verletzt so wie Jens Ullrich sich verletzt fühlt. Im Sinne der Einheit des Kirchenbezirkes Aue will ich mich einbringen und helfen, den geschwisterlichen Umgang wieder herzustellen. Dabei geht es um die Frage: Wie räumen wir das aus der Welt, dass wir uns wieder in die Augen schauen können? Ich habe meine Teilnahme am Gespräch aber nicht bedingungslos zugesagt.

An welche Bedingungen ist Ihre Teilnahme geknüpft?
Rentzing: Wir werden nicht die theologischen Unterschiede ausräumen können. Es wird auch nicht um Homosexualität gehen, sondern um den Umgang miteinander. Es sollte einen Ort geben, an dem alle Beteiligten offen ihre Befindlichkeiten äußern können. Es ist schwer genug, überhaupt einen Rahmen dafür herzustellen. Aber ein Gespräch auf Augenhöhe wird nur in gegenseitiger Offenheit funktionieren. Wir wissen aber noch nicht, was geschieht, wenn wir einladen und wer tatsächlich kommen wird.

Was verstehen Sie unter geschwisterlichem Umgang?
Rentzing: Wichtig ist der Respekt füreinander und die Würde des Anderen zu achten – auch wenn es ganz, ganz schwer wird. Zu einem geschwisterlichen Umgang gehört für mich aber auch, das Beste für den Anderen zu wollen.

Bei der Bundestagswahl hat die AfD besonders im Osten und besonders in Sachsen gepunktet. Wie sollten die Kirchen und die Gesellschaft damit umgehen?
Rentzing: Wir sollten in der Sache debattieren und uns davor hüten, in plakative Schubladen zu verfallen. Davon wird abhängen, wie die Entwicklung im Land weitergeht. Wir müssen mit allen gewählten Vertretern, und vor allem ihren Wählern, reden. Dazu sehe ich keine Alternative, wenn man nicht mit dem Feuer der gesellschaftlichen Spaltung spielen möchte. Als Kirche werden wir dabei darauf achten, dass der Respekt vor der Würde aller Menschen in unserer Gesellschaft weiter im Zentrum steht.

Die sächsische Landeskirche steht inmitten tiefgreifender Strukturveränderungen. Längerfristig müssen Stellen eingespart und Kirchenbezirke gerade auf dem Land großräumiger gebildet werden. Wie bereiten sich die Gemeinden darauf vor?
Rentzing: Derzeit laufen Gesprächsabende in den Regionen zur Strukturreform. Drei von sachsenweit insgesamt sechs Abenden zu möglichen Strukturmodellen sind bereits gelaufen. Für die Diskussionen bin ich sehr dankbar. Ich bin stolz auf die Gemeinden, denn es wird deutlich, ihnen ist die Zukunft dieser Kirche nicht egal. Insgesamt rund 1000 Teilnehmer haben mit Leidenschaft und innerer Anteilnahme diskutiert. Die Gespräche sind von dem Willen geprägt, den besten Weg für unsere Landeskirche zu finden. An der Strukturreform arbeiten Kirchenvorstände und Gemeindeglieder auf konstruktive Art und Weise. Das ist ein großartiges Zeichen.

Was ist den Gemeinden besonders wichtig?
Rentzing: Wichtig ist ihnen, dass die Identität vor Ort erhalten bleibt. Das erscheint mir ein wesentlicher Baustein, den auch die Landessynode in ihren Beschlüssen zu berücksichtigen haben wird.

Liebt einander. Echt jetzt?

11. Oktober 2017 - 11:27
»Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.«  1. Johannes 4, Vers 21 

Ich soll mich mit jeder Person gut verstehen? Muss ich mich wirklich mit jedem Bruder und jeder Schwester aus der christlichen Gemeinde verstehen, gar einander mit Liebe begegnen? Ich kenne mich doch selbst sehr gut: immer mal wieder gehe ich Mitmenschen aus dem Weg. Meist fühle ich mich aus eher unspezifischen Gründen einer anderen Person nicht nahe.

Und ja, es gibt auch Personen, mit denen ich eine gewisse Antipathie verbinde oder ich mich an zwischenmenschliche Konflikte erinnere. Dann erlebe ich es als erleichternd, dass eine Begegnung wieder vorüber ist. Also scheint es doch nahezuliegen, den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren.

Doch Johannes schreibt darüber, dass ich auch diesen Menschen mit Liebe begegnen könne. Wie soll dies gehen?

Aber da ist noch mehr: Wir erleben aufwühlende Zeiten, unsere Gesellschaft wandelt sich und ist zugleich auf der Suche nach ihrer Zukunft. Menschen suchen ihren Platz und werden dabei laut, verzweifelt, verletzend, ausgrenzend und vertreten mich irritierende Positionen – auch in der christlichen Gemeinde. Vieles davon ist herausfordernd, fernab von Liebe. Wie soll da Liebe möglich werden?

Eine Antwort könnte in einem Perspektivenwechsel zu finden sein: Wir sind reich. Enorm reich. Gott liebt uns. Gott beschenkt uns mit Liebe, immer wieder. Mehr noch: Gott liebt auch unsere Mitmenschen. Auch sie, genauso so wie sie sind, mit ihren (vermeintlichen) Unzulänglichkeiten.

Einmal mehr können wir von Gott lernen, diesmal in der Liebe, und einander annehmen. Echt. Und gerade jetzt. Christian Kurzke

Rückkehr nach Ninive

11. Oktober 2017 - 11:23

Die Nachrichten des Grauens aus Syrien und dem Irak sind schon so alltäglich geworden, dass Nachrichten der Hoffnung von dort undenkbar erscheinen. Aber es gibt sie. Und sie haben die Gestalt von Olivenzweigen.

2500 Christen zogen vor wenigen Wochen schwer bewacht mit diesem Symbol der Hoffnung aus der biblischen Noah-Geschichte und mit Kreuzen durch die Straßen der von den IS-Terrortruppen zerstörten Stadt Karakosch in der irakischen Ninive-Ebene. Im August vor drei Jahren mussten sie aus ihr flüchten. Die Olivenzweige stehen für die Rückkehr zu ihren 2000 Jahre alten Wurzeln in diesem Land der Urchristen, für die Hoffnung auf neues Wachsen – und Versöhnung.

Über 120 000 Christen waren im August 2014 vor den blitzartigen Angriffen der Islamisten rund um Mossul meist in das Gebiet der Kurden geflüchtet. Dort lebten sie in Flüchtlingslagern oder bei Verwandten. Nach dem militärischen Sieg der irakischen und kurdischen Truppen über den IS kehren immer mehr von ihnen zurück. »Die Rückkehr in unsere Heimatorte ist noch schwieriger, als es die Flucht aus ihnen war«, sagt der syrisch-orthodoxe Erzbischof Timothy Mosa Alshamany. Denn mehr als 12 000 Wohnhäuser in zwölf christlichen Orten um Mossul sind nach einer Untersuchung des katholischen Hilfswerkes »Kirche in Not« vom IS beschädigt worden. Kirchen wie die in Karakosch hatten die Islamisten entweiht und angezündet.

»Wir haben in Christus einen starken Felsen, der uns Hoffnung gibt«, sagt der syrisch-katholische Erzbischof von Mossul, Yohanna Petros Mouche und dankt Hilfsorganisationen wie »Kirche in Not« für die jetzt dringend nötige Hilfe beim Wiederaufbau.

Zugleich ziehen neue dunkle Wolken über den Christen auf: durch die kurdische Volksabstimmung über ihre Loslösung vom Irak. Die Führer der Autonomen Region Kurdistan warben vor dem Referendum am 25. September stark um die Christen, deren Gebiete in der Ninive-Ebene auch von kurdischen Peschmerga-Kämpfern befreit wurden, und versprachen ihnen Schutz und Eigenständigkeit. Doch die christlichen Parteien der Region sind gespalten. Der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako mahnt angesichts der sich verschärfenden Fronten zwischen Kurden, irakischer Zentralregierung und der Türkei zu Aussöhnung und Frieden. »Einige rühren bereits die Kriegstrommel und wenn es – Gott bewahre uns – zu einem neuen Konflikt kommen sollte, dann würde dies verheerende Folgen für alle mit sich bringen und wie immer würden die Minderheiten am meisten darunter leiden«, sagte der Patriarch der päpstlichen Nachrichtenagentur Fides.

Und im nahen Syrien ist immer noch Krieg. Und wo kein Krieg mehr ist, herrscht das Regime von Diktator Baschar Assad. So wie in Aleppo. Für viele Christen ist dies weniger schlimm als der Terror der Islamisten. Die kleinen evangelischen Gemeinden etwa in Homs und Aleppo bemühen sich um Versöhnung in einer tief zerfurchten Gesellschaft.

Der Diktator Assad wirbt indes stärker um die Christen. Sie seien »ein Teil der Anfänge des Landes und ohne sie wäre Syrien nicht so vielfältig« sagte er Mitte September neben dem syrisch-orthodoxen Patriarchen vor Teilnehmern eines Jugendtages der Kirche. Der Versuch der Extremisten, die Christen zu vertreiben, sei Teil eines Plans »der Spaltung der Region in Einzelstaaten zur Rechtfertigung des jüdischen Staates«, sagte Assad laut Agentur Fides.

Die kleinen Inseln eines demokratischen Widerstandes in Syrien stehen indes zwischen den Fronten des russisch unterstützten Regimes und der Islamisten. Olivenzweige der Hoffnung sind für sie noch in weiter Ferne.

Der Frieden beginnt hier

11. Oktober 2017 - 11:23

Es klingt nach dem Ende eines Teufelskreises: Geflüchtete kehren in ihre Heimat zurück, vor allem in den Irak. Selbst aus Deutschland sollen es nach Medienberichten mehrere hundert pro Monat sein, ohne dass sie dazu gezwungen würden. Denn der selbsternannte »Islamische Staat« (IS) ist in Syrien und im Irak auf dem Rückzug, scheint beinahe geschlagen. Dieser Krieg scheint dem Ende entgegenzugehen.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn neben dem Kampf gegen den IS gibt es in der Region weitere Konflikte, auch militärische. Die Spannungen um die Unabhängigkeit des Nord-Irak ist nur einer davon, ganz zu schweigen vom Bürgerkrieg in Syrien.Wenn nun trotzdem auch Christen in diese überwiegend muslimisch geprägten Gebiete im Irak zurückgehen, ist das ein Hoffnungsschimmer. Hoffnung auf ein friedlicheres Zusammenleben innerhalb muslimischer Gruppen und auch zwischen Muslimen und Christen. Die Rückkehr setzt natürlich zuerst im Inland ein und im unmittelbar angrenzenden Ausland.

Unabhängig davon muss die Integration in Deutschland aber trotzdem weitergehen. Der Frieden, den die Geflüchteten in Deutschland erfahren, die gegenseitige Achtung und Hilfe, ist später eine wichtige Aufbauhilfe für ihr Heimatland. Sie haben erfahren, dass ein Zusammenleben über religiöse Grenzen hinaus möglich ist. Wer hier Unfrieden und Hass schürt, wer die Menschen jetzt drängt, in ihre Heimat zurückzukehren, der gefährdet diesen labilen Friedensprozess. Rückkehr muss freiwillig erfolgen. Ob sie letztlich Erfolg hat, dafür legen auch wir hier die Grundlagen. Denn so wie der IS seine Hassbotschaften in der Welt verteilt, können umgekehrt freiwillige Rückkehrer zu Friedensbotschaftern werden.

»Die Verdummung schreitet voran«

10. Oktober 2017 - 13:17

Zunehmender Populismus und die Einschränkung demokratischer Freiheitsrechte lassen Bürger- und Menschenrechtler aus Europa näher zusammenrücken. Am Wochenende trafen sich rund 30 Experten aus 13 mittel- und osteuropäischen Ländern sowie der Türkei zum Austausch in Leipzig. »Wir wollen Lobbyarbeit für die Demokratie betreiben«, sagte Rainer Vor, Vorsitzender der Stiftung Friedliche Revolution, am Montag in Leipzig.

Angesichts der politischen Situation in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern sei dies bitter nötig, fügte Vor hinzu. Zu den Themen des »Internationalen Runden Tisches« gehörten die Einschränkung von Presse- und Medienfreiheit, Korruption, die Demokratisierung der Europäischen Union und Gefahren durch Populismus.

»Die Verkürzung, die Emotionalisierung und die Verdummung schreitet voran«, erklärte der polnische Autor und Journalist Adam Krzeminski. Eine Kommunikation zwischen politischen Kontrahenten sei in seinem Land beispielsweise kaum mehr möglich.

Die Stiftung hatte den »Internationalen Runden Tisch« erstmals in diesem Jahr organisiert. Zu den Teilnehmern zählten Vertreter verschiedener Organisationen, aber auch Politiker wie Markus Meckel (SPD), der 1990 nach den ersten freien Wahlen Außenminister der DDR war. Nach Vorstellungen der Veranstalter soll der Runde Tisch Vorbereitung für ein »Festival der Demokratie« sein, das anlässlich des 30. Jubiläums der friedlichen Revolution 2019 in Leipzig stattfinden könnte. Am 9. Oktober wird in Leipzig traditionell an die erste Massendemonstration und die friedliche Revolution in der DDR erinnert.

Mehr dazu im aktuellen SONNTAG.

Bischof Rentzing bekräftigt Dialog

10. Oktober 2017 - 12:28

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing hat die Notwendigkeit eines Dialogs mit AfD-Wählern bekräftigt. »Wir sollten in der Sache debattieren und uns davor hüten, in plakative Schubladen zu verfallen«, sagte Rentzing dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden. Davon werde abhängen, wie die Entwicklung im Land weitergehe. In Sachsen erhielt die AfD bei der Bundestagswahl am 24. September mit 27,0 Prozent den größten Zweitstimmenanteil und lag mit 0,1 Prozentpunkten vor der CDU (26,9 Prozent).

»Wir müssen mit allen gewählten Vertretern, und vor allem ihren Wählern, reden«, betonte Rentzing. »Wenn man nicht mit dem Feuer der gesellschaftlichen Spaltung spielen möchte«, sehe er dazu keine Alternative. Kirche komme eine besondere Rolle zu: »Wir werden darauf achten, dass der Respekt vor der Würde aller Menschen in unserer Gesellschaft weiter im Zentrum steht«, sagte der Bischof.

Rentzing hatte bereits einen Tag nach der Wahl alle Parteien zur Gesprächsbereitschaft und zum Dialog aufgerufen. Die AfD holte über die Erststimmen drei von insgesamt 16 Direktmandaten im Freistaat.

Leipzig feiert das friedliche Ende der DDR

10. Oktober 2017 - 12:15

Leipzig hat am Montag die Friedliche Revolution in der DDR vor 28 Jahren gefeiert. Unter dem Motto »Aufbruch, Verantwortung, Offenheit« wurde in der Stadt an die erste Massendemonstration gegen das SED-Regime vom 9. Oktober 1989 erinnert. Nur rund zwei Wochen nach der Wahl und dem Einzug der AfD in den Bundestag stand aber weniger der Mut der damaligen Demonstranten, als die Warnung vor neuen Grenzen im Mittelpunkt.

Niemand sei wohl 1989 mit dem Wunsch nach neuen Mauern in der Gesellschaft auf die Straße gegangen, sagte die evangelische Theologin Margot Käßmann beim Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche. »Um offene Grenzen ging es, um offene Herzen«, zeigte sich die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) überzeugt. Hass, Ausländerfeindlichkeit und Menschenverachtung dürften keinen Platz in Deutschland haben.

Käßmann beklagte, es gebe eine »verbale Aufrüstung« in Deutschland. Menschen würden bedroht oder niedergebrüllt, weil sie anderer Meinung seien. Während der AfD-Politiker Alexander Gauland es als Ziel von Politik angebe, andere »jagen« zu wollen, würden Menschen anderer Herkunft verachtet und tatsächlich gejagt. »Das ist beschämend für unser Land«, sagte Käßmann. Die Menschen in Deutschland müssten zu friedlichen Formen der Auseinandersetzung zurückfinden.

Der polnische Autor und Journalist Adam Krzeminski bemerkte in seiner »Rede zur Demokratie«, die AfD, die polnische PiS-Regierung und auch Donald Trump würden in ihrer Rhetorik immer wieder »dieselben Versatzstücke« benutzen. Das Land solle zurückgeholt, Eliten verjagt und die liberale »Lügenpresse« in die Schranken gewiesen werden. Doch eine rückwärtsgewandte Politik sei alles anderes als selbstbewusst. Vielmehr zeuge sie von Ratlosigkeit über eine sich rasant wandelnde Realität.

Krzeminski bezeichnete die aktuellen Entwicklungen als »konterrevolutionäre Phase«. Gerade in Polen und Ungarn, den beiden Wegbereitern für die friedliche Revolution, würde offen eine »konservative Gegenrevolution« ausposaunt und die nationale Abschottung von der Außenwelt durchgespielt, sagte Krzeminski. Ähnliche Tendenzen gebe es aber auch in Großbritannien, den USA, Frankreich und Deutschland.

Auch die Demokratie stehe zur Debatte: In den Vereinigten Staaten durch Präsident Donald Trump und seine »alternativen Fakten«, in Großbritannien durch die »hanebüchene Brexit-Kampagne« und auch in Deutschland durch die Erosion der Volksparteien, sagte Krzeminski.

Auf das traditionelle Friedensgebet und die »Rede zur Demokratie« folgte am Montagabend ein Lichtfest auf dem zentralen Augustusplatz. Aus mehreren Tausend Kerzen formierten die Menschen eine übergroße »89«, außerdem gab es ein Bühnenprogramm.

Am 9. Oktober 1989 hatten rund 70 000 Menschen nach dem Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche auf dem Leipziger Innenstadtring protestiert. Die Demonstration gegen das SED-Regime war die bis dahin größte und bedeutendste. Lange Zeit war unklar, ob sie friedlich bleiben würde. Heute gilt das Datum als ein wichtiger Wegbereiter für die friedliche Revolution in der DDR. Genau einen Monat später fiel in Berlin die Mauer.

Leipziger Medienpreis für Yücel und Erdogan

9. Oktober 2017 - 16:49

Die türkische Schriftstellerin und Journalistin Asli Erdogan hat die Auszeichnung mit dem Preis der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig als wichtiges Zeichen der Unterstützung begrüßt. »Meine Freiheit habe ich auch der internationalen Solidarität und der Tatsache zu verdanken, dass ich mehrfach nach Europa eingeladen wurde, Preise entgegenzunehmen«, sagte Erdogan am Freitag in Leipzig. Die Solidarität der internationalen Presse habe ihr während der Zeit der Haft in der Türkei geholfen. Die 1967 geborene Erdogan sollte am Freitagabend gemeinsam mit dem weiter in türkischer Haft befindlichen Journalisten Deniz Yücel mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien ausgezeichnet werden. Er ist mit insgesamt 30 000 Euro dotiert.

Während Erdogan im Dezember 2016 aus der Untersuchungshaft entlassen wurde und aus der Türkei ausreisen darf, ist Yücel weiterhin seit Ende Februar in Haft. Für ihn wollte seine Schwester Ilkay Yücel den Preis entgegennehmen.

»Man kann es als positiv bewerten, dass die Öffentlichkeit in Deutschland über die Festnahme meines Bruders auf die Situation in der Türkei aufmerksam wurde«, sagte Ilkay Yücel bei einer Pressekonferenz. Stephan Seeger, Vorstand der Medienstiftung, sprach von einer »staatlich sanktionierten Geiselnahme in der Türkei«. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig, sagte, er finde es »unglaublich«, wieweit der Verlust an Redefreiheit und Meinungsfreiheit in der Türkei bereits gediehen sei. »Die Liste unserer türkischen Preisträger wird immer länger«, ergänzte Langenfeld, »das macht uns betroffen.«

Im vergangenen Jahr hatten die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül den Preis der Medienstiftung erhalten. Der Preis wird seit 2001 verliehen und soll an die friedliche Revolution in Leipzig vom Herbst 1989 erinnern.

Deniz Yücel wurde 1973 in Hessen geboren und besitzt die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft. Er arbeitete als Journalist unter anderem für die »tageszeitung« und seit 2015 für die »Welt«. Seit Ende Februar befindet er sich wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda in Untersuchungshaft in der Türkei. Hintergrund ist offenbar unter anderem ein Interview, das er mit dem Anführer der kurdischen PKK, Cemil Bayik, geführt hat.

Asli Ergodan hatte zunächst von 1983 an in der Türkei Informatik und Physik studiert und war dann auch Mitarbeiterin an der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) in Genf. Sie verfasste ab 1990 Novellen und Romane und arbeitete als Journalistin. Zuletzt schrieb sie für die türkisch-kurdische Zeitung »Özgür Gündem«. Wegen dieser Arbeit wurde sie im August 2016 verhaftet. Der Gerichtsprozess in der Türkei gegen Erdogan wird auch nach ihrer Entlassung aus der Untersuchungshaft fortgesetzt.

Werner Schulz spricht in seiner Rede über die zukünftige Partnerschaft mit der Türkei, die keine EU-Partner sein kann, auf die Zusammenarbeit in Europa und die Konsequenzen aus dem Wahlergebnis der Bundestagswahl. Und er einnert an den Aufbruch 1989:

»Am Vorabend des 9. Oktober ist festzustellen: Die friedliche Revolution hat den Gründungsmythos der Europäischen Union erweitert. Zu einem Europa, das nicht nur auf Versöhnung und der Friedensidee der großen alten Männer beruht, sondern auch auf dem Freiheitswillen der vielen Frauen und Männer, die ohne Gewalt eine Diktatur gestürzt und aus eigener Kraft die Demokratie, als das politische Regelwerk der Freiheit errungen haben. Doch Freiheit ist anstrengend und Vielfalt kann zur unerträglichen Last werden.« Die Menschen fühlten sich angesichts der Globalisierung verunsichert, so Schulz. »Merkwürdigerweise hat die wichtige Frage, wie es in Europa weitergeht im Bundestagswahlkampf keine große Rolle gespielt. Zum Glück hat jetzt der französische Präsident Macron der Idee eines vereinten Europas neues Leben eingehaucht.«

Hier können Sie die Leipziger Rede zur Medien- und Pressefreiheit nachlesen.

Erinnerung an Friedliche Revolution in Dresden

6. Oktober 2017 - 12:10

Mit einem Friedensgebet in der Kreuzkirche und einer Ehrung soll am 8. Oktober, 17 Uhr, an den Beginn der Friedliche Revolution vor 28 Jahren in Dresden erinnert werden. Anschließend, gegen 18 Uhr, begeben sich die Teilnehmer zu den »Steinen des Anstoßes« vor der Kirche, wie Harald Bretschneider, Oberlandeskirchenrat im Ruhestand, ankündigte. An diesem 2010 errichteten Denkmal soll Haroutune Selimian, Pfarrer der evangelisch-armenischen Gemeinde im syrischen Aleppo, mit der Friedensplakette »Schwerter zu Pflugscharen« geehrt werden.

Haroutune Selimian, der die Gemeinde in der nordsyrischen Stadt seit 1992 leitet, betreibt dort mit deren Mitgliedern eine Schule und eine Poliklinik. Zudem geben sie Lebensmittelpakete an hungernde Familien in der vom Bürgerkrieg schwer zerstörten Stadt aus. Hilfe erhalten Menschen aller Konfessionen und Religionen, auch Muslime. So will er die Bewohner bewegen zu bleiben und nicht nach Europa zu flüchten. Auch wenn der Pfarrer von einigen als Assad-freundlich kritisiert werde, entscheidend sei dessen gewaltloses Engagement und Hilfsangebot, betonte Bretschneider. Der SONNTAG berichtete 2016 über den Pfarrer und seine Gemeinde im umkämpften Aleppo.

Bereits am 7. Oktober, 19 Uhr, spricht Haroutune Selimian im Haus an der Kreuzkirche 6 zum Thema »Evangelisch in Aleppo: Nach sechseinhalb Jahren Bürgerkrieg – welche Zukunft haben Christen in Syrien?«.

Zahlreiche Veranstaltungen rund um das Leipziger Lichtfest

6. Oktober 2017 - 12:02

+++ Hinweis: Dieser Artikel wurde bearbeitet. Das Gedenkkonzert zum Lichtfest 2017 in der Peterskirche: DIESES KONZERT MUSS VERLEGT WERDEN Das Konzert muss aufgrund einer Konzertreise der Philharmonie Leipzig verschoben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis. Konzertkarten behalten Ihre Gültigkeit und können auch zu einem anderen Konzert eingelöst werden. Gern beantworten wir Fragen unter info@philharmonie-leipzig.de +++

Leipziger und ihre Gäste sind am 9. Oktober zum Lichtfest auf dem Leipziger Augustusplatz eingeladen, um gemeinsam an die Ereignisse im Herbst 1989 zu erinnern. Das Motto in diesem Jahr ist »Aufbruch – Verantwortung – Offenheit«.

In der Nikolaikirche findet um 17 Uhr ein Friedensgebet statt mit Margot Käßmann, Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum 2017. Um 18.30 Uhr folgt die Rede zur Demokratie von Adam Krzeminski, einem polnischen Journalisten, Publizi­sten und Buchautor.

Das Lichtfest beginnt im Anschluss um 20 Uhr auf dem Augustusplatz. Ziel sei es, auf dem Fundament der Erfahrungen vom Herbst ’89 aktuelle Impulse zu setzen, um die Werte der Friedlichen Revolution auch für die jüngere Generation zu bewahren, so die Veranstalter von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH.

Zu den Gästen gehören: Das Stephan König Jazz Quartett, Journalist Jürgen Engert, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin und Mo­­derator des Magazins Kontraste; Juliane von Reppert-Bismarck, Journalistin; Dokumentarfilmemacherin Anke Ertner, deren Film »Generation ’89 – Erwachsenwerden im Wendejahr« mehrfache Auszeichnungen erhielt, und Dr. Lutz Kinkel, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit in Leipzig.

Die Leipziger Peterskirche lädt um 20 Uhr ein zu Beethovens 9. Sinfonie – das Motto »Freiheit schöner Götterfunken« – mit Solisten, Lehrerchor und Philharmonischer Chor Leipzig sowie der Philharmonie Leipzig. Die Leitung hat Michael Koehler. Kurt Biedenkopf wird eine Ansprache halten.

Leipziger Bibliothek zeigt entdeckte Wittenberger Chorhandschrift

5. Oktober 2017 - 13:29

Die Leipziger Universitätsbibliothek präsentiert eine fast 500 Jahre alte Chorhandschrift aus Wittenberg erstmals der Öffentlichkeit. Es handelt sich um ein erst vor wenigen Monaten in Leipzig entdecktes einzelnes Doppelblatt einer vormals mindestens 130 Seiten starken Pergamenthandschrift. Dieses ist vom 13. Oktober an in einer Ausstellung der Bibliothek zu sehen, wie der Leiter des Handschriftenzentrums der Universitätsbibliothek, Christoph Mackert, am Donnerstag ankündigte. Es dürfte dem Experten zufolge das älteste bekannte Zeugnis aus der Gottesdienstpraxis der jungen protestantischen Kirche sein.

Das verzierte großformatige Doppelblatt (eine Seite ist 37,5 mal 26 Zentimeter groß) wird auf die Zeit um 1530 datiert. Es enthält drei deutschsprachige Kirchengesänge und ein lateinisches Stück. Mackert hatte es in der Leipziger Universitätsbibliothek in einer Sammlung mittelalterlicher Handschriften gefunden. Das Fragment dokumentiert die gelebte Praxis des reformatorischen Kirchen- und Chorgesangs in Wittenberg.

Die drei deutschen Texte seien im Wechsel mit der Gemeinde gesungen worden, hieß es. Der zudem enthaltene lateinische Vers sei ein Beleg dafür, dass in frühreformatorischer Zeit Teile der alten Liturgie in die neue integriert wurden, sagte Mackert.

Im Sinne der Reformation kam es seit etwa 1521 an verschiedenen Orten zur Einführung neuer Formen des Gottesdienstes mit deutschsprachigen Anteilen in Wort und Lied. Dieser Prozess wurde von Wittenberg aus zentralisiert und vereinheitlicht, vor allem für den mittel- und norddeutschen Raum. Die zeitliche und räumliche Einordnung des Fragmentes war Mackert nach eigenen Aussagen mit Hilfe von Textvarianten möglich, die sich Luthers Arbeit an der Bibelübersetzung aus dem Zeitraum 1526 bis 1530 zuordnen lassen und die enge Übereinstimmungen mit der Wittenberger Kirchenordnung von 1528/33 zeigten.

Die Handschriftensammlung der Leipziger Universitätsbibliothek beherbergt Mackert zufolge mehr als 10 000 Exemplare. Unter den rund 2200 mittelalterlichen Handschriften seien etwa 800 Fragmente.

Thomaskantor Gotthold Schwarz erhält Bundesverdienstkreuz

5. Oktober 2017 - 11:04

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Tag der Deutschen Einheit 30 Personen mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik geehrt, wie das Bundespräsidialamt mitteilte. Sie erhielten die Auszeichnung am 4. Oktober im Schloss Bellevue in Berlin. Geehrt wurde der Leipziger Thomaskantor Gotthold Schwarz für seine Verdienste. Er habe sich um die Förderung Alter Musik verdient gemacht – er habe außerdem in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich dazu beigetragen, dass der Thomanerchor ein kulturelles Aushängeschild der Bundesrepublik sei.

Unter den Geehrten ist auch Vera Falck, Geschäftsführerin des Vereins Dunkelziffer, Stefan Romey, Vorsitzender der Stiftung Hilfe für NS-Verfolgte, und Andrea Vogt-Bolm, die Menschen mit Amputation unterstützt. Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Autorin und Friedenspreis-Trägerin Carolin Emcke. Sie bringe sich immer wieder mit wichtigen Denkanstößen in die gesellschaftspolitische Debatte ein, hieß es zur Begründung. Ausgezeichnet wurden auch die Schriftsteller Jenny Erpenbeck und Friedrich Christian Delius, die Schauspielerin Christiane Paul, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Das Verdienstkreuz erhielten außerdem der Berliner Kirchenhistoriker Christoph Markschies für dessen Engagement im ökumenischen und jüdisch-christlichen Dialog sowie der Erlanger Professor und frühere UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Heiner Bielefeldt.

Mitteldeutsche Online-Kirche geplant

5. Oktober 2017 - 8:54

Die fast allgegenwärtige Digitalisierung macht auch vor den Kirchen nicht halt. Mit einem nach eigenen Angaben bundesweit einmaligen Projekt will die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) demnächst neben dem klassischen Gottesdienst auch eine »Online-Kirche« etablieren, schreibt die in Weimar erscheinende mitteldeutsche Kirchenzeitung »Glaube+Heimat« (Ausgabe vom 8. Oktober). Der Initiator des Vorhabens, der Social-Media-Koordinator der EKM Karsten Kopjar, sagte dem Blatt: »Wir wollen keine neue Kirche gründen, sondern die Diskrepanz zwischen Online- und Offline-Leben in der Kirche aufheben.«

In der digitalen Kommunikation spielt aus seiner Sicht Kirche bisher kaum eine Rolle. Mit den geplanten Online-Angeboten sollten beispielsweise Schichtarbeiter oder Berufspendler angesprochen werden. Neben täglichen Andachten und Gottesdiensten werde auch der Online-Seelsorge Raum gegeben. Dabei werde auf eine hohe Datensicherheit geachtet, erklärte der Theologe.

Zukünftig sei auch eine kommunitäre Gemeinschaft, eine Art Kloster im Internet, geplant. Das Kloster in Volkenroda (Unstrut-Hainich-Kreis) habe bereits Interesse signalisiert, mit der Online-Kirche zu kooperieren, sagte Kopjar weiter. Ab kommendem Jahr soll die virtuelle Kapelle mit ersten Angeboten im Internet agieren, kündigte er an.

Werner Schulz hält Leipziger Rede zur Pressefreiheit

4. Oktober 2017 - 16:31

Der ehemalige Bundestags- und Europaabgeordnete der Grünen, Werner Schulz, wird beim diesjährigen Leipziger Medienpreis die Rede zur Medien- und Pressefreiheit halten. Das teilte die Medienstiftung der Leipziger Sparkasse vorab mit. Die diesjährigen Preisträger, der deutsch-türkische »Welt«-Korrespondent Deniz Yücel und die türkische Journalistin Asli Erdogan, werden bei der Verleihung am 6. Oktober geehrt. Yücel sitzt in der Türkei in Haft und wird in Abwesenheit geehrt. Asli Erdogan wird am Freitag in Leipzig sein. Die Preise sind mit insgesamt 30 000 Euro dotiert.

Yücel und Erdogan gingen ernsthaft und streitbar ihrer Arbeit nach, begründete die Stiftung die Ehrungen der Journalisten. Beide nähmen das »einstige Demokratieversprechen der türkischen Republik« ernst und würden wegen ihrer kritischen Berichterstattung verfolgt, hieß es weiter.

Der 44 Jahre alte Yücel sitzt seit Ende Februar in der Türkei in Untersuchungshaft. Die Regierung in Ankara wirft ihm »Terrorpropaganda« und »Aufwiegelung der Bevölkerung« vor. Asli Erdogan arbeitete laut Medienstiftung fast 20 Jahre für die linksliberale türkische Zeitung »Radikal«.

Die Medienstiftung vergibt den Preis seit 2001 jedes Jahr an Journalisten, Verleger und Institutionen, die sich für Freiheit und Zukunft der Medien engagieren. Zu den früheren Preisträgern zählen die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül, die Russin Anna Politkowskaja und der US-amerikanische Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald.

Bach-Städte wollen Weltkulturerbe werden

4. Oktober 2017 - 14:42

Die thüringische Bach-Stadt Mühlhausen möchte Weltkulturerbe werden. Der Stadtrat habe Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) beauftragt, seine Amtskollegen in Arnstadt, Eisenach und Leipzig für eine gemeinsame Bewerbung bei der Unesco zu gewinnen, berichtet die in Weimar erscheinende »Thüringische Landeszeitung« (Mittwoch). Ziel sei es, nach der Aufnahme der Musik Johann Sebastian Bachs (1685–1750) in das Weltkulturerbe nun auch für seine wichtigsten Wirkungsstätten diese besondere Ehrung zu erreichen. Die Unesco hatte 2015 Bachs Autograph der h-Moll-Messe in das Weltregister des Dokumentenerbes aufgenommen.

In Eisenach, Bachs Geburtsort, stehe etwa die Georgenkirche, die Taufkirche des Komponisten, hieß es weiter. Arnstadts Neue Kirche war seine erste, die Kirche »Divi Blasii« in Mühlhausen seine zweite Wirkungsstätte. Nach weiteren Stationen wurde die Thomaskirche in Leipzig Mittelpunkt des Schaffens Bachs.

Ursprünglich sei die Liste länger gewesen, es hätten sich auf ihr auch Günthersleben-Wechmar im Kreis Gotha, Dornheim im Ilm-Kreis und Köthen in Sachsen-Anhalt befunden, schreibt die Zeitung. Gegen diese Orte spreche im Fall Wechmars, dass er »nur« ein Erinnerungsort an die Vorfahren Johann Sebastian Bachs, nicht aber an ihn selbst sei. In Dornheim bei Arnstadt spiele nur die Kirche als Traukirche eine Rolle in Bachs Biografie, sie sei aber keine Wirkungsstätte an sich. Es gebe keine Verbindung zu seinem Schaffen, hieß es. Das Haus mit der zweiten Köthener Wohnung Bachs sei zwar in seiner Grundstruktur erhalten, erfülle aber nicht die Anforderungen für die Welterbeliste.

Die Idee eines gemeinsamen Antrags auf Aufnahme auf die Liste finde vor allem in Arnstadt Anklang, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter. Sowohl in Eisenach als auch in Leipzig zeige man sich bisher zurückhaltender. Dort wolle man zunächst mit dem Mühlhäuser Rathauschef sprechen, ehe man sich öffentlich zu dem Thema äußere.

Unterdessen streiten die Thüringer Bach-Städte um eine gemeinsame Bewerbung. Mit Enttäuschung hat die Stadt Gotha am Mittwoch auf die Ankündigung aus Mühlhausen reagiert, als Bach-Stadt bei der Bewerbung um den Welterbe-Status potenzielle Partnerkommunen auszuschließen. »Wer ausschließt und ausgrenzt, wird nach kurzer Aufmerksamkeit keinen Ton bei der Unesco abgeben«, sagte Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) in Gotha.

Der Rathauschef »hätte sich gewünscht«, dass sich die thüringischen Bach-Städte und Bach-Orte auf einen gemeinsamen Weg einigen. »Ich bin der Meinung, dass einem Antrag die klare Untersuchung nach Originalstätten und Erfolgsaussichten vorausgehen muss«, sagte der Gothaer Oberbürgermeister Kreuch. Laut Kreuch war die Schlosskirche in Gotha der Ort, an dem Ostern 1717 Johann Sebastian Bach (1685-1750) persönlich seine erste Passionsmusik zur Aufführung brachte. Merkwürdig sei auch, dass die Bachmühle und das Backhaus der Bachs im nahe Gothas gelegenen Wechmar als älteste originale Bachwirkungsstätten aus Mühlhäuser Sicht unberücksichtigt bleiben sollen, »wo doch die Mühle der Ursprung der musikalischen Begabung ist.«

Kreuch forderte dazu auf, »gemeinsam zu reden, so wie die Bachs gemeinsam musizierten«. So könne für Thüringen ein erfolgreicher Antrag gestartet und das Ziel erreicht werden, nach der Aufnahme der Musik Johann Sebastian Bachs in das Weltkulturerbe auch für seine wichtigsten Wirkungsstätten diese besondere Ehrung zu erhalten. Die Unesco hatte 2015 Bachs Autograph der h-Moll-Messe in das Weltregister des Dokumentenerbes aufgenommen.